Words I stumble upon that make me (think).

We believe that modern technology platforms, such as Google, Facebook, Amazon and Apple, are even more powerful than most people realize. These platforms constitute a true paradigm shift, and what gives them power is their ability to grow – specifically, their speed to scale. Almost nothing, short of a biological virus, can scale as quickly, efficiently or aggressively as these technology platforms and this makes the people who build, control, and use them powerful too.
- Jared Cohen, Eric Schmidt: The New Digital Age: Reshaping the Future of People, Nations and Business
In today’s attention economy, reading materials (we call it “content” now) have ceased to be created and disseminated for understanding. Instead, they exist first (and primarily) for mere encounter. This condition doesn’t necessarily signal the degradation of reading; it also arises from the surplus of content we are invited and even expected to read. But it’s a Sisyphean task. We can no longer reasonably hope to read all our emails, let alone our friends’ Facebook updates or tweets or blog posts, let alone the hundreds of daily articles and listicles and quizzes and the like. Longreads may offer stories that are best enjoyed away from your desk, but what good are such moments when the #longreads queue is so full? Like books bought to be shelved, articles are saved for a later that never comes.
- Ian Bogost: Reading to Have Read
Eine Kunst, die nicht fähig ist, ihre Gegenwart zu besiegen, hat jeglichen Sinn verloren.
- Helmut Krausser: Tagebücher, 1. Juli 1994
The secret of a full life is to live and relate to others as if they might not be there tomorrow, as if you might not be there tomorrow. It eliminates the vice of procrastination, the sin of postponement, failed communications, failed communions. This thought has made me more and more attentive to all encounters. meetings, introductions, which might contain the seed of depth that might be carelessly overlooked. This feeling has become a rarity, and rarer every day now that we have reached a hastier and more superficial rhythm, now that we believe we are in touch with a greater amount of people, more people, more countries. This is the illusion which might cheat us of being in touch deeply with the one breathing next to us. The dangerous time when mechanical voices, radios, telephones, take the place of human intimacies, and the concept of being in touch with millions brings a greater and greater poverty in intimacy and human vision.
- Anaïs Nin (via brainpickings)

Unterm Strich kommt heraus, dass zwar die Kommunikationsmöglichkeiten extrem ausgeweitet wurden, Kommunikation als solche aber an Bedeutung verliert. Sie dient zunehmend nur noch als Anreiz, Daten zu produzieren. […]

Die Gewichtsverschiebung von der Kommunikation zu den Daten ist keineswegs auf das Internet beschränkt. In unseren zunehmend postdemokratischen Gesellschaften kommuniziert Macht nicht mehr, sie managt, möglichst ohne wahrgenommen zu werden. […]

Um an dieser Situation etwas zu ändern, müssen wir uns nicht nur Gedanken über neue Gesetze, sondern auch über Strukturen machen, die der Kommunikation wieder Gewicht verleihen. Grundsätzlich müssen wir dahin kommen, dass zentral gesammelte Daten offengelegt werden, damit die Gesellschaft als Ganzes von den Erkenntnissen, die sich daraus gewinnen lassen, profitieren kann. Daten, die nicht offen sein sollten, weil sie etwa die Privatsphäre betreffen, sollten möglichst dezentral verwaltet werden.

Am Ursprung des Menschen klafft ein Abgrund zwischen ihm und der Welt, und Symbole sind Instrumente um diesen Abgrund zu überbrücken, es sind Mediationen. Regelmäßig aus Symbolen aufgebaute Codes wie Steinkreise, gesprochene Sprachen, geschriebene Texte, gezeichnete Skizzen sind demnach Brücken zwischen dem in die Existenz gesprungenen Menschen und der Welt, der er entsprungen ist. Sie bedeuten die Welt. Sie sind aber auch Brücken zwischen den einzelnen Menschen, sie sollen die Welt für den anderen bedeuten, und das heißt, sie bedeuten die Welt laut einer Übereinkunft. Prinzipiell kann jedes Phänomen als Symbol vereinbart werden, und es gibt zahllose Methoden, diese Symbole zu Codes zu ordnen. Steine, Knochen, Knoten in Fäden, Bilder, Zahlen, Töne, Gesten, Farben, kurz, jedes natürliche oder künstliche Phänomen, ob Gegenstand oder Eigenschaft von Gegenständen, ob konkret oder abstrakt, kann laut Vereinbarung eine Bedeutung haben. Diese so entstandenen Symbole können punktartig, geradlinig, in Wellenlinien, flächenartig, oberflächlich, körperlich, vierdimensional, räumlich, zeitlich oder in noch komplexeren Dimensionsverbindungen zu Codes geordnet werden. Das Gewebe aus Symbolen, die kodifizierte Welt, welche die Menschheit immer dichter um sich webt um darin erworbene Informationen zu speichern und so dem Leben einen Sinn zu geben, ist von völlig undurchsichtiger Komplexität, und diese Undurchsichtigkeit liegt in seiner Absicht.
- Vilém Flusser: Kommunikologie (Mannheim 2003)
Nowhere was Defoe’s psychology more acute than in his imagination of Robinson’s response to the rupture of his solitude. He gave us the first realistic portrait of the radically isolated individual, and then, as if impelled by novelistic truth, he showed us how sick and crazy radical individualism really is. No matter how carefully we defend our selves, all it takes is one footprint of another real person to recall us to the endlessly interesting hazards of living relationships. Even Facebook, whose users collectively spend billions of hours renovating their self-regarding projections, contains an ontological exit door, the Relationship Status menu, among whose options is the phrase “It’s complicated.” This may be a euphemism for “on my way out,” but it’s also a description of all the other options. As long as we have such complications, how dare we be bored?
Ein Vorschlag zur Umfunktionierung des Rundfunks: Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren. Deshalb sind alle Bestrebungen des Rundfunks, öffentlichen Angelegenheiten auch wirklich den Charakter der Öffentlichkeit zu verleihen, absolut positiv.
[…]
Der Rundfunk muss den Austausch ermöglichen. Er allein kann die großen Gespräche der Branchen und Konsumenten über die Normung der Gebrauchsgegenstände veranstalten, die Debatten über Erhöhungen der Brotpreise, die Dispute der Kommunen. Sollten Sie dies für utopisch halten, so bitte ich Sie, darüber nachzudenken, warum es utopisch ist.
[…]
Als Beispiel solcher möglichen Übungen, die den Rundfunk als Kommunikationsapparat benutzen, habe ich schon bei der Baden-Badener Musikwoche 1929 den “Flug der Lindberghs” erläutert. Dies ist ein Modell für eine neue Verwendung Ihrer Apparate. Ein anderes Modell wäre das “Badener Lehrstück vom Einverständnis”. Hierbei ist der pädagogische Part, den der “Hörer” übernimmt, der der Flugzeugmannschaft und der der Menge. Er kommuniziert mit dem vom Rundfunk beizusteuernden Part des gelernten Chors, dem der Clowns, dem des Sprechers.
[…]
Aber es ist keineswegs unsere Aufgabe, die ideologischen Institute auf der Basis der gegebenen Gesellschaftsordnung, durch Neuerungen zu erneuern, sondern durch unsere Neuerungen haben wir sie zur Aufgabe ihrer Basis zu bewegen. Also für Neuerungen, gegen Erneuerung! Durch immer fortgesetzte, nie aufhörende Vorschläge zur besseren Verwendung der Apparate im Interesse der Allgemeinheit haben wir die gesellschaftliche Basis dieser Apparate zu erschüttern, ihre Verwendung im Interesse der wenigen zu diskreditieren.
Undurchführbar in dieser Gesellschaftsordnung, durchführbar in einer anderen, dienen die Vorschläge, welche doch nur eine natürliche Konsequenz der technischen Entwicklung bilden, der Propagierung und Formung dieser anderen Ordnung.
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Brecht & das RadioBertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat, in: Lorenz Engell u.a. (Hg.), “Kursbuch Medienkultur: die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard”. Deutsche Verlags-Anstalt: Stuttgart, 2000

(http://www.medienkunstnetz.de/quellentext/8/)

Ich empfinde gegen die Dummheit meiner Epoche Hassfluten, die mich ersticken. Es steigt mir Sch.. in den Mund, wie bei einem eingeklemmten Bruch. Aber ich will sie behalten, sie eindicken und daraus einen Brei machen, mit dem ich das neunzehnte Jahrhundert beschmieren werde, wie man die indischen Pagoden mit Kuhfladen vergoldet…
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Gustave Flaubert an Edmond Louis Antoine Huot de Goncourt, 9. Oktober 1877

Gustave Flaubert

[…] even in the darkest of times we have the right to expect some illumination, and that such illumination may well come less from theories and concepts than from the uncertain, flickering, and often weak light that some men and women, in their lives and their works, will kindle under almost all circumstances and shed over the time span that was given them on earth – this conviction is the inarticulate background against which these profiles were drawn. Eyes so used to darkness as ours will hardly be able to tell whether their light was the light of a candle or that of the blazing sun. But such objective evaluation seems to me a matter or secondary importance which can be safely left to posterity.
- Hannah Arendt: Men in Dark Times

(In memoriam Nelson Mandela)
At 10:11 p.m., she said good-night to her watchers–there were only 98,027 at that point, a few thousand of whom reciprocated her good-night wishes–lifted the lens over her head and placed it in its case. She was allowed to turn off the SeeChange cameras in the room, but she found she rarely did. She knew that the footage she might gather, herself, for instance about movements during sleep, could be valuable someday, so she left the cameras on. It had taken a few weeks to get used to sleeping with her wrist monitors […] but Circle engineers had improved the design, replacing the rigid screens with more flexible, unbreakable ones, and now she felt incomplete without them.
- Dave Eggers: The Circle (2013), p. 332f.
Our comforting conviction that world makes sense rests on a secure foundation: our almost unlimited ability to ignore our ignorance.
- Daniel Kahneman: Thinking, Fast and Slow, Allen Lane (2011), p. 201
The growth of the Internet will slow drastically, as the flaw in ‘Metcalfe’s law’ – which states that the number of potential connections in a network is proportional to the square of the number of participants – becomes apparent: most people have nothing to say to each other! By 2005 or so, it will become clear that the Internet’s impact on the economy has been no greater than the fax machine’s.
- Paul Krugman (1998), Future Thought